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Suchttherapie

Suchttherapie auf der Basis der 12-Schritte – die Kraft der Gemeinschaft

Die 12-Schritte-Programme sind nicht aus einer Theorie heraus am grünen Tisch entstanden, sondern aus Verzweiflung, durch einige alkoholkranke Männer und ihre Angehörigen, die nicht mehr weiterwussten.
Dr. Bob und Bill W. begannen vor fast hundert Jahren miteinander über ihre Sucht zu sprechen – nicht theoretisch und nicht klug, sondern ehrlich. Sie bemerkten, dass sie während ihres Gesprächs keinen Alkohol trinken mussten. Nicht für immer, nicht für das ganze Leben, sondern nur jetzt, nur in diesem Moment, den sie miteinander da saßen. Nur für Heute, für diese 24 Stunden.
Ebenso entscheidend war noch etwas anderes: Bill und Bob erkannten, dass ihre eigene Nüchternheit davon abhing ihre eigene Erfahrung, Kraft und Hoffnung an andere weiterzugeben. Indem sie mit anderen Alkoholkranken sprachen, ihnen zuhörten und ihre Erfahrung teilten, stabilisierte sie ihre eigene Genesung. Was später als der 12. Schritt formuliert wurde – die Botschaft an andere Süchtige weiterzugeben – war von Anfang an Teil dieser Erfahrung.

Nach und nach kamen andere dazu. Die Frauen begannen, sich untereinander zu treffen, nicht um über ihre Männer zu sprechen, sondern über sich selbst, über ihre Angst, ihre Ohnmacht, ihre co-abhängigen Muster, ihr Mit-Verstrickt-Sein.
So entstand etwas, das bis heute das Herz der 12-Schritte-Programme ist: eine Gemeinschaft von Menschen, die miteinander teilen, einander zuhören, die Botschaft weitergeben und miteinander einen Weg der Genesung von der Sucht gehen.

Der erste Schritt lautet: "Wir gaben zu, dass wir Alkohol gegenüber machtlos waren und unser Leben nicht mehr meistern konnten."
Später entwickelten sich daraus viele andere Programme, die sich schwerpunktmäßig mit anderen Süchten befassten:

  • Co-Abhängigkeit (Al-Anon, CoDA)
  • Esssucht (OA u.a.)
  • Gedanken und Gefühle (EA)
  • Sex- und Liebessucht (SLAA u.a.)
  • Drogen- und Medikamentensucht (NA)
  • Kaufsucht (DA)
  • Arbeitssucht (WA)
  • Internet- und Mediensucht (IA/ITAA)

und andere, die sich im Wesentlichen nur in der ersten Hälfte des ersten Schrittes unterschieden.
Zusammengefasst könnte man sagen:
Wir gaben zu, dass wir unserer Sucht gegenüber machtlos waren und unser Leben nicht mehr meistern konnten.

Diese "Kapitulation" gegenüber der Sucht, der erste Schritt, ist für viele Süchtige der schwierigste. Wir leugnen entweder so lange es nur irgend geht, dass wir süchtig sind oder kämpfen verbissen gegen die Sucht an, nur um immer wieder und immer heftigere Rückfälle zu erleben, die nicht selten tödlich enden.
In den Gruppen andere zu hören und zu erleben, die das kennen, da hindurch gegangen sind und nun zunehmend entspannt und fröhlich mit am Tisch sitzen und ein gutes Leben führen, ist zunächst nicht zu begreifen, übt aber eine große Anziehung aus auf diejenigen, die noch immer in der Sucht ausagieren müssen. Niemand muss abstinent sein, um die Gruppen besuchen zu dürfen, es wird lediglich um die Bereitschaft gebeten, von der Sucht zu genesen.
Immer wieder hört man den Satz: "Wenn ich es kann, kannst du es auch!"
Das Vorbild der anderen, ihre Zuwendung und Freundlichkeit vor allem den Neuen gegenüber hilft diesen, wieder Vertrauen in sich selbst und das Leben aufzubauen und sich auf den oft sehr schmerzhaften und langwierigen Prozess des Entzugs einzulassen.

"Hitting rock bottom" (den Tiefpunkt erreichen) ist oft der Wendepunkt, der Moment, in dem jemand aufhört, sich etwas zu beweisen, und beginnt, ehrlich zu werden.
Ab dem zweiten Schritt kommt etwas hinzu, das für viele Menschen entscheidend wird:

"Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Kraft größer als wir selbst uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann."

Das Konzept einer "höheren Kraft" war ursprünglich christlich geprägt, doch die Programme haben sich weiterentwickelt. Heute geht es nicht um eine bestimmte Religion, sondern um die Erfahrung, dass es etwas geben kann, das größer ist als mein verletztes Ich. Für manche ist es Gott, für andere die Gemeinschaft, die Natur, das Leben selbst oder einfach die Erfahrung: Ich muss das hier nicht allein tragen. Diese Haltung – nicht alles auf einmal lösen zu müssen, sondern Schritt für Schritt, oft tatsächlich nur für heute – und immer mit der Hilfe einer "höheren Kraft" war auch für mich persönlich entscheidend.

Lange bevor ich verstand, was Trauma eigentlich bedeutet, habe ich in diesen Gruppen erfahren, wie entlastend es ist, nicht allein zu sein, ehrlich sprechen zu dürfen und mich an anderen zu orientieren, die diesen Weg schon gegangen sind. Diese Erfahrung ist für mich bis heute die eigentliche Basis der Genesung – und sie ist, in anderer Sprache, auch die Basis meiner Traumaarbeit und meiner schamanischen Praxis.
Trauma isoliert, Sucht isoliert, beides trennt uns von uns selbst und von anderen. Die 12-Schritte-Gruppen wirken genau hier: gegen die Vereinsamung, gegen das Schweigen, gegen das Allein-Durchhalten. In den Meetings sitzen Menschen, die wissen, wovon du sprichst, die nicht erschrecken, nicht belehren und die vor dir gegangen sind – als Sponsorinnen und Sponsoren, als Weggefährtinnen und Weggefährten.

In gewisser Weise bilden diese Gruppen etwas sehr Altes wieder ab: eine Dorfgemeinschaft, eine Kultur, in der Heilung nicht privat geschieht, sondern gemeinschaftlich, in der Ältere den Jüngeren vorangehen, in der Erfahrung weitergegeben wird und in der niemand allein bleiben muss.

Ich ermuntere meine Klient*innen sehr darin, die für sie passende/n 12 Schritte Gruppe/n zu finden und unterstütze deine Genesung von der Sucht gerne mit meiner eigenen Erfahrung, Kraft und Hoffnung.